Spielsucht: Die sensiblen Jahre

Spielsucht: Die sensiblen Jahre

Der Übergang zum Erwachsenalter bedeutet für einige Jugendliche auch den Einstieg in eine Spielerkarriere. Forscher haben herausgefunden, dass daran auch die Gene beteiligt sind.

Am Anfang ist es der Gewinn und das mächtige Gefühl, die Maschine, den Computer oder die Bank besiegt zu haben. Am Ende jedoch bleibt meist nichts außer einem Schuldenberg und pure Verzweiflung. Für 100.000 bis 170.000 Menschen in Deutschland sind Poker oder Roulett zur Droge geworden (1). Zählt man die problematischen Spieler hinzu, jene die kurz davor stehen in eine Sucht abzugleiten, überschreitet man schnell die halbe Million. Besonders der Übergang von der Jugend ins junge Erwachsenenalter scheint eine sensible Zeit zu sein, die Zahl der Betroffenen steigt dann merklich an. Aber woran liegt das? Ist es der Einfluss von Freunden oder spielen die Gene dabei die entscheidende Rolle? Um das herauszufinden, haben US-amerikanische Forscher um Serena King (2) die Daten von 756 Zwillingspaaren aus Minnesota ausgewertet. Alle Geschwister waren zwischen 18 und 25 Jahren alt, also in jener kritischen Übergangsphase zwischen Jugend und Erwachsensein.

Der Berechnung der Forscher zufolge stieg der Einfluss der Gene auf das Spielverhalten in dieser Zeit von 21 Prozent auf 57 Prozent. Der Einfluss des Erbgutes lässt sich so genau beziffern, weil es sich bei den Probanden solcher Studien meist um Zwillinge handelt. Deren genetische Ausstattung gleicht sich entweder nahezu komplett (eineiige Zwillinge) oder zur Hälfte (zweieiige Zwillinge). Sind sich nun eineiige Zwillinge in ihrem Spielverhalten ähnlicher als zweieiige, dann muss das zu großen Teilen an den Genen liegen.

Wie häufig die Probanden spielten, was der größte Betrag war, den sie jemals verspielt haben und welche Anzeichen einer Sucht sie womöglich schon zeigten hatten die Forscher in dieser Studie mit Hilfe von Fragebögen herausgefunden. Rund 68 Prozent der Probanden hatten sich im Alter von 18 Jahren mindestens einmal an einem Glückspiel versucht. Mit 25 waren es 76 Prozent. Ein Suchtverhalten konnten die Forscher bei ihrer Zwillingsgruppe jedoch nicht beobachten. Auch war das Geld, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen maximal an einem Tag verspielten, im Durchschnitt nicht viel höher als zwei Dollar. Die Größenordnung, die die Forscher zum Einfluss der Gene errechnet haben, passt aber zu einer anderen Untersuchung, die davon ausgeht, dass sich bei Jugendlichen die Unterschiede im Spielverhalten zu etwa 32 Prozent durch die Gene erklären lassen (3).

Neben dem Einfluss der Gene, interessierten King und ihre Kollegen noch, welche Rolle die Umwelt für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen spielt. Hier beobachten sie den umgekehrten Trend. Einflüsse, die sich die Zwillingsgeschwister teilen, wie etwa Erfahrungen in der Familie, hatten nur bei den 18-jähren einen größeren Einfluss. Innerhalb von sieben Jahren sank der Effekt von 55 auf 10 Prozent. Individuelle Faktoren aus der Umwelt, wie etwa Freundschaften spielten zwar ebenfalls eine Rolle, jedoch eine weit geringere als andere Faktoren.

Die Forscher hoffen nun, dass die Forschung auf diesem Gebiet weitergeht. Ließen sich jene Gene und Umwelteinflüsse ausfindig machen, die das Spielverhalten von jungen Menschen beeinflussen, könnten sich krankhafte Spielerkarrieren eventuell verhindern lassen.

Copyright © 2016-2017 Nicole Simon / Paul Enck. Alle Rechte vorbehalten.


Quellen:

  1. http://www.dhs.de/suchtstoffe-verhalten/gluecksspiel.html
  2. King SM, Keyes M, Winters KC, McGue M, Iacono WG. Genetic and environmental origins of gambling behaviors from ages 18 to 25: A longitudinal twin family study. Psychol Addict Behav. 2017;31(3):367-374. doi: 10.1037/adb0000266. PubMed
  3. Blanco C, Myers J, Kendler KS. Gambling, disordered gambling and their association with major depression and substance use: A web-based cohort and twin-sibling study. Psychol Med. 2012; 42; 497–508.  doi: 10.1017/S0033291711001401. PubMed